Über uns


Geschichte der Trachtengruppe Flüelen

Die Gründung
Nachdem schon seit einiger Zeit mehrere Flüeler in der „Urner Trachtengruppe Altdorf“ aktiv waren entschlossen sich diese, zusammen mit weiteren Personen, vor allem wegen den damaligen schlechten Verkehrsbedingungen, eine eigene Gruppe zu bilden. Am 18. Februar 1938 versammelten sich 15 Frauen und Männer zur Gründungsversammlung. Das Hauptziel war eine einwandfreie Tracht zu tragen und die Sitten und Bräuche zu erhalten und zu pflegen, für eine bodenständige Gesinnung zu werben und Gemütlichkeit und Kameradschaft zu pflegen.

Auftritte
Bereits im Gründungsjahr wagte sich die junge Gruppe anlässlich der Mobilisationstagung der Grenzbesetzungssoldaten am 9. Oktober in Flüelen zu ihrem ersten Auftritt. Wie der damaligen Presse zu entnehmen war, hatten die Flüeler auf eindrückliche Art und Weise Präsenz markiert und den Startschuss für eine grosse Zukunft der Flüeler Trachtenleute gelegt. Weil anfänglich nur wenige überlieferte Trachtentänze zur Verfügung standen, heute umfasst das Repertoire der Flüeler rund 25 Tänze, wurde nebst dem Tanzen vor allem das Singen und Theaterspiel geübt und gepflegt. Später kam der Jodelgesang des Jodlertrios Fisch-Kaufmann- Steinegger, das Alphornblasen und Fahnenschwingen sowie weiteres Urner Brauchtum dazu. Die damals schon fast legendäre Flüeler Trachtenmusik gab der ganzen Gruppe den nötigen Schwung und trug wesentlich für den grossen Bekanntheitsgrad der Flüeler Trachtenleute bei.

1939 wurde mit Vertretern der bestehenden Gruppen Flüelen, Altdorf und Erstfeld sowie Regionalobmann Martin Gyr aus Einsiedeln und dem Trachtenobmann der Schweizerischen Trachtenvereinigung  Dr. Laur entschieden, dass das Urner Trachtenkleid zwar möglichst einheitlich aber mit gebietsbezogenen Unterschieden zu gestalten sei. (Nähere Angaben siehe Dokumentation „Urner Trachten“ oder auf trachten-uri.ch) Den Flüelern wurde empfohlen die braune Herrenbluse mit der filigranen Stickerei durch blauen Blusenstoff zu ersetzen. Die vom Flüeler Bildhauer Erwin Infanger entworfene Männertracht der Seegemeinden, zu denen Flüelen zählt, eine mit Alpenblumenmotiven und silberbestickte Bluse, wurde als eine der schönsten Länderblusen taxiert. Eine weitere Besonderheit der Männertracht der Seegemeinden sind die roten Socken. Die Frauen trugen die Urner Sonntag- oder Werktagstracht.

Die erste grosse Veranstaltung, den die Flüeler Trachten besuchten, sie waren seit Februar 1939 Mitglied der Schweizerischen Trachtenvereinigung, war das Eidg. Trachtenfest anlässlich der Landesausstellung am 20. August 1939 in Zürich. Diesem folgten viele kleinere und grössere Veranstaltungen in allen Landesteilen. So etwa das Unspunnenfest in Interlaken in den Jahren 1946, 1955, 1968, 1981, 1993 und 2006. 

Weitere Auftritte an Nationalen Grossanlässen hatten die Flüeler 1948 am Festumzug in Bern zum Anlass „100 Jahre Schweizer Bundesstaat“, an den Eidg. Trachtenfesten 1951 und 1978 in Luzern, 1961 Basel, 1964 anlässlich der Expo in Lausanne, 1974 in Zürich, 1986 in Genf, 1998 in Bern und 2010 in Schwyz.

1951 wurden die Flüeler für ein Fotoshooting auf dem Klausenpass ausgewählt, das zu Werbezwecken für die Post diente.

Ein Novum bewerkstelligten die Flüeler anlässlich der Trachtenlandsgemeinde 1953 in Erstfeld. Für den Umzug organisierten sie die Postkutsche aus dem historischen Museum in Luzern und transportierten sie per Nauen nach Flüelen. Dort bestiegen historisch gekleidete Reisende die mit einem 5er Gespann vorspannte Kutsche und fuhren so nach Erstfeld.

Ähnliches bewerkstelligten sie 1954. Zusammen mit weiteren Urner Trachtenleuten fuhren sie mit einem prächtig verzierten Nauen an die Schweizerische Landwirtschaftsausstellung nach Luzern, um dort unter dem Motto „Urschweizerbräuche“ am Umzug teilzunehmen.

Besondere Erlebnisse waren auch die Auftritte in Champéry im Val d‘Illiez im Wallis. 1986 sorgten die Flüeler dort erstmals für Furore. Mit Musik und Tanz, Alphornblasen und Fahnenschwingen, “Gäisslächlepfä“, Jodel und natürlich mit vielen unüberhörbaren Treicheln wurde am 1. August den Einheimischen und Gästen die Urner Tracht, Sitten und Brauchtum gezeigt, was bei den Einwohnern und Feriengästen grosse Beachtung fand. In den nächsten Jahren folgten weitere Auftritte in diesem herrlichen Ferienort.

Diverse Aktivitäten
Zur Auflockerung standen in den vielen Jahren unzählige Aktivitäten innerhalb und ausserhalb des Trachtenlebens auf dem Programm. So etwa die Mithilfe an unzähligen Dorffesten, an etlichen Schwing-,Jodler- und Musikfesten. Die Fasnacht, Dorfmärkte, mehrere Arbeitstage in Frondienst im Tierpark Goldau, Waldarbeiten, Aufräumarbeiten nach Lawinen, Sturmschäden oder Hochwasser. Aber auch Skirennen, Hornschlittenrennen, Wettkämpfe im Burdäliträägä, Schneeschuhlaufen und vieles mehr.

Theaterspiel
Bereits seit den Anfängen, vor allem aber in den Jahren 1952 begann die grosse Zeit der Theateraufführungen der Trachtengruppe. Bis 1962 wurde alljährlich ein Volksstück mit grossem Erfolg aufgeführt. Weil dann kein geeignetes Lokal mehr zur Verfügung stand, musste diese Tradition schweren Herzens abgebrochen werden.

Am Radio im Fernsehen und auf Tonträger
Im Jahr 1947 waren die Flüeler erstmals in einer Radiosendung des Radiostudios Basel mit einem Musikstück und Lied zu hören. Weitere Kostproben ihrer damaligen Klasse waren 1950 aus der Pfarrkirche Flüelen und 1968 vom Unspunnenfest in Interlacken mit diversen Musikstücken, Gesang und Jodelliedern am selben Radiosender zu hören. Als das Schweizer Fernsehen 1974 unter dem Titel „Samstagabend aus Andermatt“ die erste Live-Sendung aus Uri ausstrahlte, waren bei den Trachtentanzpaaren auch die Vertreter aus Flüelen zusehen. Einige Mitglieder konnten 2008 anlässlich der Sendung „Die grössten Schweizerhits“ im Studio des Schweizer Fernsehens in Zürich ihr tänzerisches Können zeigen. Nicht Tänze sondern ihr Wissen zeigten Flüeler Trachtenleute in der Spielshow „5 gegen 5“. Aus Anlass des Eidgenössischen Trachtenfestes 2010 in Schwyz traten eine Woche lang Trachtengruppen gegeneinander an. Im Jahr 2001 wurde auf dem Tonträger „Innerschweizer Trachtentänze“ zwei Tänze, der Rundum und Urnerbär, die von Flüelern choreographiert wurden verewigt. Auch für die Choreographie des Tanzes „Zum füfzigschtä d`s Fiälä“ wurden die Tanzfiguren schriftlich festgehalten.

Initianten für Anlässe
Die Flüeler Trachtenleute waren aber auch Initianten für Heimatabende oder Theater, verschönerten Tagungen und Anlässe, oder führten Delegiertenversammlungen durch. Für diverse Freundschaftstreffen und Wohltätigkeitsveranstaltungen waren die Flüeler stets gute Gastgeber. Auch grosse Veranstaltungen scheuten die Flüeler nicht. So wurde 1944 die Trachtenlandsgemeinde, es wurden rund 6000 Festbesucher gezählt, organisiert was ein unerwartet grosser Erfolg war. Laut Zeitungsberichten soll dies der grösste Anlass seit vielen Jahren im Kanton Uri gewesen sein.

1945 folgte die Organisation des Zentralschweizerischen Jodlerfestes in Zusammenarbeit mit dem Jodlerklub „Tälläbüäbä“ in Flüelen. Das Festzelt mit 2200 Plätzen war viel zu klein. Am Sonntag zählte man bei rund 600 Mitwirkenden am Festumzug weit über 15000 Zuschauer.1962 setzten die Flüeler Trachtenleute erneut einen Meilenstein im Urner Trachtenleben. Zusammen mit den „Urschweizer Trachtentag“ organisierten sie die Schweizerische Trachten Delegiertenversammlung. Diese fand am Samstag auf dem Festplatz Seematte statt. 1000 Delegierte und rund 2500 weitere Gäste nahmen daran teil. Mit dem Festspiel „Goldigi Zinggä“ von Ludwig Lussmann, wurde am Abend den 2500 Zuschauern eine urchige Folklore-Show geboten. Am Sonntag zeigten 1000 Trachtenleute in einem farbenprächtigen Umzug den rund 10000 Zuschauern alles was an Brauchtum, und Folklore zu bieten war. 2008 organisierten die Flüeler Trachtenleute den Urschweizer Trachtentag ein weiteres Mal mit großem Erfolg.

Etwas Neues wagte die Gruppe 1996 mit der „Folklore Festwoche“ die mit der Unterstützung des Verkehrsvereins und der Gemeinde zum Jubiläum 5 Jahre Weg der Schweiz im Dorfzentrum an fünf Abenden und Sonntagmorgen unter freiem Himmel mit grossem Erfolg über die Bühne ging. Schliesslich entschlossen sich 2003 einige Unentwegte zu neuen Taten und riefen aus Anlass des 65jährigen Vereinsbestehens das „Rudenz-Fäscht“ in Leben, das im Jahr 2006 eine Wiederholung fand.

Da die Trachtenmitglieder gerne Spiel und Spass haben, findet im 2015 bereits das 4. Spiel ohne Grenzen statt. Dabei können verschiedene Teams antreten und diverse kreative Spiele absolvieren. 

Die Jubiläen
Zum 40jährigen Vereinsjubiläum empfingen die Flüeler 1978 über 250 Tanzpaare aus der ganzen Zentralschweiz, die auf der Allmend im Freien das Programm für das Eidg. Trachtenfest in Luzern vorführten. In ähnlichem Rahmen folgte 1988 das 50jährige Jubiläum, mit Gästen aus Thüle Deutschland. Das 60jährige Bestehen wurde zusammen mit dem Freundschaftstreffen Uri- Schwyz und mit einer Gastgruppe aus Fischbach aus der Steiermark in der Festhalle Wipfli AG und wie schon die zwei vorangegangenen Jubiläen, während 3 Tagen gefeiert. Fünf Jahre später folgte, wie schon erwähnt, zum 65jährigen Vereinsbestehen ein Fest im Rudenzpark. Zum 75jährigen Jubiläum gab es am Donnerstag das Uri-Schwyz Treffen, am Freitag einen Unterhaltungsabend und am Samstag fand das Spiel ohne Grenzen statt. Als Gast wurde die Trachtengruppe Anras aus Österreich eingeladen.

Im Ausland
1963 wagte sich die Gruppe erstmals zu einem Auftritt ins Ausland. Der Heimatabend in Prutz im Tirol wurde mit der Trachtenreise verbunden. 1984 reisten einige Trachtenpaare nach Genua in Italien und Mechelen in Belgien. 1987 half eine Flüeler Delegation der Trachtengruppe aus Sachseln in Thüle, Deutschland ein intensives Programm mit zu gestalten. In den Jahren 1993, 1998 und 2009 zeigten die Flüeler anlässlich des 25jährigen, des 30jährigen respektive des 40jährigen Bestehens des Campingplatzes „Wilhelm Tell“ im Belgischen Opglabbeek während jeweils 5 Tagen urnerische Folklore und Brauchtum.

1995 stand ein Auftritt zusammen mit der Trachtengruppe Andermatt in Waldshut Deutschland auf dem Programm. 1998 wurde der befreundeten Volkstanzgruppe Fischbach in der Steiermark ein Überraschungsbesuch zu ihrem Jubiläum abgestattet und im Jahr 2000 folgte ein verlängertes Wochenende mit diversen Auftritten und zum Teil mit Aufnahmen mit dem Niederösterreichischen Radio. Das prächtige Dorf, die Gastfreundschaft und die Freude der Bevölkerung an dem gezeigten Trachtenleben waren überwältigend.

Weitere Reisen und Auftritte waren: Das Internationale Trachtenfest 2001 in Oksbol in Dänemark, 2004 die Waldshuter Kilbi in Deutschland, 2005 das Internationale Trachtenfest in Zelhelm in Holland, 2006 das Schweizer Weekend in Luxemburg, ein dreitägiger Besuch in Anras Österreich sowie eine Flugreise und diverse Auftritte zusammen mit der Trachtengruppe Sachseln in Moana in Spanien. 2008  folgte ein Auftritt in Prag und 2010 nahmen die Flüeler Trachtenleute an einer Folklorekreuzfahrt auf dem Mittelmeer teil. 2014 besuchte man eine belgische Trachtengruppe. Die Auslandreisen waren stets spezielle Erlebnisse für die Beteiligten. Weit wichtiger aber waren sie für die Nachwuchswerbung junger Mitglieder, denn die Mehrzahl der Reisen wurde für und in Zusammenarbeit der jungen Mitglieder organisiert. Dies ist zweifellos ein wichtiger Grund, dass die Gruppe seit Jahren eine beachtliche Zahl junge Mitglieder in ihren Reihen hat und dies auch bei der Stange halten kann.

Gründung der Kindertanzgruppe
Ein weiterer Grund für die vielen jungen Mitglieder ist die Kindertanzgruppe. 1991 verwirklichten die Initianten Madlen Walker-Arnold und Rita Briker-Schuler ihre Idee, die bis anhin bewährte. Die Gruppe zählt heute rund 20 Kinder. Für sie sind vor allen das Unspunnenfest 1993 in Interlaken, das Sechseläuten in Zürich 2000 und die Teilnahme am Umzug an der Olma 2008 eindrückliche Erlebnisse.

Persönlichkeiten
Für die Gruppe sind alle Mitglieder wichtig. Viele davon hatten leitende Funktionen. Einige übernahmen während Jahren diverse Führungsarbeiten. In den Anfängen waren es vor allem der erste Präsident Karl Infanger und die Tanzleiter und Theaterregisseure Tildi und Walter Fisch sowie Willi Sandmeier der während vielen Jahren die Gesangsleitung inne hatte. Ende 40iger und in den 50iger Jahren stand Anton Ziegler an vorderster Front und wurde 1965 für seine Verdienste zum Ehrenmitgliedschaft der Schweizerischen Trachtenvereinigung ernannt. Später vor allem Hans Walker der 22 Jahre im Vorstand tätig war; wovon 6 Jahre Kassier, 14 Jahre als Tanzleiter und 6 Jahre als Präsident.


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